Der „normale“ Handbremszylinder wie wir ihn seit je her kennen, hat den Kolben quer zur Fahrtrichtung, ist meist für Lenker mit 22mm Durchmessern gemacht und hat Kolbengrössen von 10-16mm. Das Gehäuse ist aus Kostengründen gegossen.
Es gibt ihn ohne oder mit angegossenem Behälter. Problematisch ist die Umlenkung vom Hebel auf den Kolben, bei der viel Kraft verloren geht. Die Hersteller haben immer an der sog. Hebelkinematik gearbeitet, der Brembo PSC16 war die letzte Entwicklungsstufe.
Einige Zylinder sind mit verstellbaren Hebeln ausgestattet.

Erst mit der Entdeckung des „radialen“ Zylinders ist echter Fortschritt eingekehrt, der nun auch in der Erstausrüstung teurer Sportmotorräder zu finden ist.
Der Zylinder steht im rechten Winkel zum Lenker, die abgegebene Kraft wird über die Kolbenstange direkt in den Zylinder gebracht. Radial bedeutet in diesem Fall frei übersetzt geradlinig.
Die Gehäuse sind gegossen oder gefräst, Kolbendurchmesser von 12-22mm, die Hebel sind in der Weite immer verstellbar. Einige Hersteller experimentierten mit einer Anlenkungsverstellung (PVM) die heute über einen Excenter erfolgt (Brembo RCS). Diese beeinflusst die Dosierbarkeit.
Fast alle Zylinder haben zum einfacheren Entlüften einen Nippel. Symetrisch gebaute Zylinder können auch als Kupplungszylinder verwendet werden. Da die meisten Zylinder aus dem Rennsport kommen, müssen hydraulische Stopplichtschalter und Behälter nachgerüstet werden.

Räumen wir an dieser Stelle ein Gerücht bei Seite. Man hört und liest immer wieder: Je grösser der Kolben desto besser die Bremse !!! So einfach ist es nicht.
Die Hersteller haben ein Übersetzungsverhältnis gewählt, das Kraft und Dosierbarkeit in allen Fahrlagen optimal berücksichtigt. Im Einzelfall kann der Biker durch eine Änderung diese Verhältnisses seine Bremsanlage auf seine bevorzugten Bedürfnisse abstimmen.
Merke: Je grösser der Kolben, desto grösser die aufzuwendende Kraft. Natürlich wird der Hebelweg kürzer, aber fördert das die Dosierbarkeit ? Nein, aber ein leichtes Überbremsen im Grenzbereich (Rennsport) ist nicht so schnell passiert. Die radiale Bauweise nimmt den Kraftnachteil wieder ein Stück weg, man merkt es also nur nicht.

Wer Zangen und Zylinder tauscht, muss vorher mittels der richtigen Formeln das Übersetzungsverhältnis ausrechen und danach angleichen, Abweichungen nach unten sollte es nicht geben. Oder man nimmt sich ein Vergleichsfahrzeug welches ähnlich aufgebaut ist, aber Achtung: Neben der Kolbenzahl der Zange ist auch die Kolbengrösse entscheidend.

Ohne Ausnahme sind heute alle Zylinder für Bremsflüssigkeiten DOT4.0 und 5.1 geeignet (siehe auch Bremsflüssigkeit).

Die Membrane im Bremsflüssigkeitsbehälter muss Kondenswasser aufnehmen, die aus der Bremsflüssigkeit verdampft. Dazu hat sie meist an ihrer höchsten Stelle ein kleines Loch (im Gegenlicht gut zu sehen). Der Wasserdampf schlägt sich am Deckel nieder und tropft dann in die Membrane ab. Die Bohrung darf nie verschmutzen, die Membrane am Besten regelmässig reinigen. Wer immer wieder ein Wasserbad vorfindet, muss dringend die Bremsflüssigkeit erneuern.